#fredwagner: Christian Pape über den Versicherungsvertrieb der Zukunft

Wie verändert künstliche Intelligenz den Versicherungsvertrieb? Welche Bedeutung gewinnen Plattformen und neue Kund:innenzugänge? Und welche Rolle wird die persönliche Beratung künftig spielen? Darüber sprach Prof. Dr. Fred Wagner im aktuellen Interview mit Christian Pape, Vertriebsvorstand der ALH Gruppe. Im Mittelpunkt standen die Auswirkungen technologischer Entwicklungen auf Marketing, Vertriebssteuerung und Kund:inneninteraktion sowie die Frage, wie Versicherer ihre Position in einer zunehmend plattformgetriebenen Welt behaupten können.
Pape sieht in KI deutlich mehr als ein Werkzeug für die automatisierte Beratung. Sie werde insbesondere Marketing und Vertriebssteuerung verändern, etwa indem Zielgruppen präziser identifiziert, Daten besser miteinander verknüpft und Kund:innen gezielter angesprochen werden können. Gleichzeitig werde es für Versicherer immer wichtiger, in KI-Systemen überhaupt auffindbar zu sein. Neben der eigenen Website gewinnen dabei auch öffentlich zugängliche Informationen und Bewertungen an Bedeutung.
Eine zentrale Herausforderung sieht Pape im Wandel des Kund:innenzugangs. Versicherer seien heute nicht mehr selbstverständlich der erste Ansprechpartner, wenn Menschen sich mit ihren Bedürfnissen und Risiken beschäftigen. Banken, Plattformen, Automobilhersteller oder andere Branchen verfügten über deutlich häufigere Kund:innenkontakte und damit über wertvolle Daten. Für die Versicherungswirtschaft komme es deshalb darauf an, neue Kooperationen und Anknüpfungspunkte zu entwickeln. Embedded Insurance könne dabei ebenso eine Rolle spielen wie die Interaktion mit KI-Systemen.
Gleichzeitig plädiert Pape für einen realistischen Blick auf die Digitalisierung. Der persönliche Vertrieb bleibe ein zentraler Zugang zur Kundschaft. Auch digitale Geschäftsmodelle kämen nicht ohne persönliche Interaktion aus, wenn Beratungsbedarf entstehe. Der Versicherungsvertrieb der Zukunft werde deshalb hybrid sein: „Persönlich und digital“, fasste Pape seine Vorstellung zusammen.
Für die ALH Gruppe sieht Pape dabei Stärken in der ausgeprägten Identifikation mit dem Versicherungskerngeschäft sowie in kurzen und pragmatischen Entscheidungswegen. Dabei setzt er auf die enge Zusammenarbeit mit unabhängigen Vermittler:innen und darauf, technologische Entwicklungen frühzeitig aufzugreifen und in die Weiterentwicklung des Vertriebs einzubeziehen.
Seine Prognose für die kommenden Jahre fällt entsprechend zuversichtlich aus: Der Versicherungsvertrieb werde auch künftig ein relevantes und attraktives Tätigkeitsfeld bleiben. Entscheidend sei jedoch ein Mentalitätswandel, weg von der Haltung „Das haben wir immer schon so gemacht“ und hin zu einer chancenorientierten Gestaltung des Vertriebs. Ziel müsse es sein, neue Technologien zu nutzen, ohne den Kund:innennutzen und die persönliche Beratung aus dem Blick zu verlieren.










