#fredwagner zur Altersvorsorgereform: Dr. Guido Bader über Chancen, Risiken und den Wettbewerb der Zukunft

In der aktuellen Ausgabe von #fredwagner begrüßte Prof. Dr. Fred Wagner Dr. Guido Bader, Vorsitzender des Vorstands der Stuttgarter Versicherungsgruppe und stellvertretender Vorstandsvorsitzender der SDK Versicherungsgruppe. Im Mittelpunkt des Gesprächs stand die jüngst verabschiedete Altersvorsorgereform mit besonderem Fokus auf das neue Altersvorsorgedepot und dessen Auswirkungen auf die Lebensversicherungsbranche.
Zu Beginn wurde die grundlegende Frage diskutiert, welche Rolle die gesetzliche Rente künftig noch einnehmen kann. Im Interview wurde deutlich, dass die gesetzliche Rentenversicherung aus Sicht der Branche langfristig vor erheblichen finanziellen Herausforderungen steht und künftig stärker als Basisabsicherung verstanden werden müsse. Vor diesem Hintergrund gewinne die ergänzende betriebliche und private Altersvorsorge weiter an Bedeutung.
Ein weiterer Gesprächsschwerpunkt lag auf der betrieblichen Altersversorgung (bAV). Diskutiert wurden die bislang geringe Durchdringung insbesondere im Mittelstand sowie mögliche Lösungsansätze, um die bAV attraktiver und einfacher zugänglich zu machen. Dabei standen unter anderem Opt-out-Modelle, vereinfachte Durchführungswege sowie portable und leicht verständliche Produktlösungen im Fokus. Aus Sicht von Dr. Guido Bader wird insbesondere die Reduzierung von Komplexität entscheidend dafür sein, die betriebliche Altersvorsorge künftig breiter in der Praxis zu etablieren.
Prof. Dr. Wagner und Dr. Bader kamen auch auf die geplante Reform der privaten Altersvorsorge zu sprechen, insbesondere das neue Altersvorsorgedepot einschließlich des vorgesehenen Standardprodukts. Mit der Reform rücken kapitalmarktorientierte Lösungen stärker in den Vordergrund. Gleichzeitig verlieren klassische Elemente der staatlich geförderten Altersvorsorge, wie lebenslange Rentenleistungen oder umfassende Garantien, an Bedeutung. Thematisiert wurden hierbei auch die Ausgestaltung und mögliche Auswirkungen des im Rahmen der Reform vorgesehenen Standardprodukts. Fragen zur praktischen Umsetzung, zur Rolle des Staates als Anbieter und Regulierer sowie zu möglichen Wettbewerbsverzerrungen standen im Mittelpunkt. Zugleich wurde deutlich gemacht, dass Versicherer weiterhin auf flexible Vorsorgelösungen mit unterschiedlichen Garantievarianten, umfangreicher Fondsauswahl und Wahlmöglichkeiten zwischen Auszahlungsplan und lebenslanger Rente setzen wollen.
Dabei wurde die Frage aufgeworfen, ob die Abkehr von einer verpflichtenden lebenslangen Rentenzahlung sozialpolitisch sinnvoll ist. Kritisch betrachtet wurde vor allem die Möglichkeit, dass geförderte Vorsorgeprodukte künftig lediglich Auszahlungspläne bis zum 85. Lebensjahr vorsehen können. Es wurde betont, dass die Absicherung des Langlebigkeitsrisikos weiterhin eine zentrale Stärke der Versicherungswirtschaft darstellt.
Zusätzlich wurde der zunehmende Wettbewerb zwischen Versicherern, Fondsanbietern und digitalen Neobrokern diskutiert. Während kostengünstige ETF Lösungen und digitale Plattformen insbesondere jüngere Zielgruppen ansprechen, wurde gleichzeitig hervorgehoben, dass ein großer Teil der Kund:innen weiterhin einen hohen Beratungsbedarf habe. Die Versicherungswirtschaft sieht ihre Stärken daher insbesondere in der persönlichen Beratung, der Flexibilität der Produkte sowie in der Kombination aus Kapitalmarktchancen und Absicherungsleistungen.
Abschließend wurde auch die Rolle von Digitalisierung und Künstlicher Intelligenz in der Versicherungsbranche beleuchtet. KI-Anwendungen kommen bereits heute unter anderem bei Schrifterkennung, Sprachanalyse, Protokollierung und im Kundenservice zum Einsatz. Gleichzeitig wurde hervorgehoben, dass technologische Entwicklungen die persönliche Beratung künftig ergänzen, aber nicht vollständig ersetzen werden.










