InsurTech-Update September 2025

Maik Entrich • 30. September 2025

InsurTechs und digitale Versicherer setzen neue Maßstäbe: Stoïk expandiert nach Belgien, Baobab startet exklusive Cyber-Kooperationen, und Ethos plant den US-Börsengang. Im aktuellen Update zeigen wir, welche Strategien und Partnerschaften aktuell die Branche bewegen.


Stoïk expandiert nach Belgien

Der französische Cyber-Assekuradeur Stoïk expandiert nach Belgien und übernimmt dazu den lokalen Anbieter Cybercontract. Mit diesem Schritt startet das Unternehmen eine neue, M&A-getriebene Wachstumsstrategie und plant, das Prämienvolumen in Belgien innerhalb von 18 Monaten mindestens zu verdreifachen. Cybercontract wurde 2014 gegründet, betreut über 1.000 Unternehmen und kooperiert mit rund 150 unabhängigen Versicherungsmaklern. Durch die Übernahme ist Stoïk nun in sieben Ländern aktiv, darunter Deutschland, Frankreich, Österreich, Spanien, Luxemburg und Monaco.


Baobab mit neuer Cyber-Kooperation

Baobab, ein auf digitale Risiken spezialisierter Assekuradeur, und der Österreichische Versicherungsmaklerring haben zum 1. September 2025 eine exklusive Kooperation gestartet. Damit erhalten etwa 600 Mitgliedsunternehmen des ÖVM Zugang zu einer kombinierten Lösung aus Cyberversicherung und Vertrauensschadenversicherung mit 16 speziell ausgewählten Zusatzklauseln. Zu den Zusatzklauseln gehören die Deckung bei Betriebsunterbrechung, freiwillige Abschaltung, Cloud-Ausfall, Reputationsschäden sowie die Übernahme forensischer Buchführungskosten.


Freeyou besitzt keine BaFin-Lizenz mehr

Freeyou, ein Tochterunternehmen der DEVK, hat mehrere Versicherungslizenzen freiwillig zurückgegeben. Die BaFin hat dem Unternehmen daraufhin die Erlaubnis für verschiedene Zweige entzogen, darunter etwa für Versicherungen gegen Miet- und Einkommensausfall oder gegen Berufsrisiken. Diese Bereiche hatte Freeyou bislang jedoch nicht aktiv genutzt. Bereits im vergangenen Jahr hatte der Digitalversicherer angekündigt, sich aus dem Kfz-Geschäft zurückzuziehen. Freeyou ist nicht der erste Digitalversicherer, der aufgibt.


Ethos forciert Börsengang

Ethos, ein 2016 gegründetes InsurTech, hat am Freitag die Unterlagen für einen US-Börsengang eingereicht. Ethos bietet über seine Plattform Lebensversicherungen in den gesamten USA an. Laut eigenen Angaben hat das InsurTech aktuell rund 95.000 Policen im Portfolio. Ethos und einige bestehende Anteilseigner wollen im Rahmen des Börsengangs Anteile veräußern. Zu den Investoren gehört u.a. auch die Google-Mutter Alphabet.


HDI kooperiert mit Allianz-Tochter Solvd

Die HDI Versicherung und die Solvd Group, ein weltweit führender Innovator digitaler Lösungen für das Schaden- und Reparaturmanagement, gehen eine neue, langfristige strategische Partnerschaft ein. Im Mittelpunkt der Zusammenarbeit steht, dass die HDI Versicherung zukünftig die Prozesse und Dienstleistungen der Solvd Group in den Bereichen Werkstattnetz und Schadenanalyse nutzen wird. Gemeinsam wollen beide Partner diese Leistungen weiterentwickeln. Durch die Nutzung moderner Technologien sollen die Abläufe von der Schadenmeldung bis zur Reparatur effizienter und digitaler gestaltet werden.


Allianz X investiert in US-Assekuradeur

Die Allianz erweitert ihre Präsenz im InsurTech- und KI-Segment: Der Investmentarm Allianz X beteiligt sich strategisch an dem US-InsurTech Coterie Insurance, das sich auf Sach- und Haftpflichtpolicen für KMU spezialisiert hat. Mit einer datengetriebenen Plattform erzeugt Coterie rund 65 Prozent seiner Policen automatisiert innerhalb von 24 Stunden nach Erstkontakt — ein Beleg für den KI-fokussierten Plattformansatz des Unternehmens. Parallel baut die Allianz auch die Kooperation mit der Allianz Re aus, die bereits seit 2023 als Rückversicherer für Coterie auftritt.


Swiss Re und Bondaval kooperieren

Die Swiss Re und das FinTech Bondaval starten gemeinsam eine datengetriebene Lösung für Kreditrisiken: Ab dem 1. Januar 2026 wollen sie Kreditversicherungen und Zahlungsgarantien über Bondavals Plattform anbieten, wobei die Swiss Re die Versicherungskapazität zur Verfügung stellt. Bondaval liefert dabei nicht nur die Policenverwaltung, sondern fungiert auch als Betriebssystem für Kreditmanager, indem Kundendaten in Echtzeit integriert und Risiken transparent gemacht werden. Für die Swiss Re ist der Schritt Teil einer Strategie, das Kreditversicherungsgeschäft weltweit zu skalieren; Bondaval will damit seine Expansion in Großbritannien, der EU, den USA und Kanada verstärken.

von Maik Entrich 22. Mai 2026
Markteintritte, Produktausbau und erste Risse im Wachstumsmodell: Im März zeigt sich, wie unterschiedlich sich InsurTechs im aktuellen Marktumfeld entwickeln. Das Start-up-Radar Update bündelt die wichtigsten Bewegungen für den Monat März. Neodigital löst Assekuradeurs-Tochter auf Die Neodigital Versicherung hat ihre Assekuradeurs-Tochter Situative GmbH aufgelöst und zieht sich damit aus dem Geschäft mit den situativen Versicherungen zurück. Der Assekuradeur hatte sich auf kurzfristige sowie anlassbezogene Versicherungsprodukte spezialisiert, etwa für Veranstaltungen oder Rennsport-Events. Nach Angaben von Neodigital selbst haben sich die Erwartungen an die Nachfrage nach entsprechenden Kurzzeitversicherungen jedoch nicht erfüllt. Die Entwicklung verdeutlicht einmal mehr die Herausforderungen spezialisierter Embedded-Insurance- und On-Demand-Modelle in einem weiterhin anspruchsvollen Marktumfeld. Getolo expandiert nach Spanien Nach einem erfolgreichen Start in Frankreich setzt das Berliner InsurTech Getolo gemeinsam mit DA Direkt seinen internationalen Wachstumskurs unter dem Dach der Zurich Gruppe Deutschland fort und bringt seine digitale Tierkrankenversicherung nun auch nach Spanien. Das Unternehmen bietet vollständig digitale Versicherungslösungen für Haustiere an und setzt dabei auf eine einfache, digitale Customer Journey. Mit dem Markteintritt in Spanien erweitert Getolo seine Präsenz im europäischen Markt und adressiert die wachsende Nachfrage nach digitalen Tier-Versicherungsangeboten. hector digital stellt Insolvenzantrag Der Assekuradeur hector digital war bisher bei der Neodigital Autoversicherung für die Vertrags- und Schadenbearbeitung verantwortlich. Ende März hat das Unternehmen nun Insolvenz angemeldet. Wie kam es zur Insolvenz des Kfz-Versicherungsdienstleisters? Neodigital hatte die Verträge mit dem Assekuradeur fristlos gekündigt. Grund laut dem Kfz-Versicherer waren nicht erbrachte vertragliche Leistungen des Dienstleisters. Durch die Kündigung hatte hector digital seine Geschäftsgrundlage verloren. Stattdessen ist nun die Neodigital Versicherung AG mit den bisherigen Aufgaben von dector digital beauftragt worden. Cosmos Direkt intensiviert digitale Kundenbetreuung Der Direktversicherer CosmosDirekt, eine Tochter der Generali Deutschland, intensiviert seine digitale Kundenbetreuung: Seit Anfang April können Kundinnen und Kunden Glas- und Hagelschäden an ihren Fahrzeugen über die neue KI-Assistentin „Stella“ melden. Über ein Dialogsystem erfasst „Stella“ alle relevanten Schadensinformationen und sorgt so für einen unkomplizierten Prozess. Am Ende des Dialogs fasst der Bot alle Angaben automatisch in einer Schadensmeldung zusammen, die von den Kunden geprüft und bestätigt wird. Der Service ist rund um die Uhr verfügbar und ergänzt bestehende Kanäle wie Online-Formulare und Telefonie. HDI Global schließt neue Kooperation Der Industrieversicherer HDI Global setzt künftig auf meas proprietäres, versicherungsspezifisches Sprachmodell und den Insurance Industry Knowledge Graph. Die Lösungen sollen fachlichen Kontext bereitstellen und die Interpretation, Extraktion sowie Weiterleitung von Underwriting- und Schadendaten unterstützen. Ziel ist es, Mitarbeitende von datengetriebenen, repetitiven Aufgaben zu entlasten, damit sie sich stärker auf wertschöpfende Tätigkeiten in der Zusammenarbeit mit Kunden und Partnern konzentrieren können. Die finale Entscheidung verbleibt aber bei den Mitarbeitenden. Zurich führt KI-Plattform im Underwriting ein Die Zurich Insurance Group weitet den Einsatz der KI-Plattform des InsurTechs Cytora auf ihre globalen Underwriting-Aktivitäten aus. Ziel ist es, Daten aus unterschiedlichen Quellen automatisiert auszuwerten und Underwriting-Prozesse effizienter zu gestalten. Durch den Einsatz von Künstlicher Intelligenz sollen Risiken schneller analysiert und Entscheidungen konsistenter getroffen werden. Die Zusammenarbeit verdeutlicht die zunehmende Bedeutung KI-gestützter Plattformen für die Digitalisierung und Skalierung internationaler Versicherungsprozesse.
von Juliane Bormann 21. Mai 2026
In der aktuellen Ausgabe von #fredwagner begrüßte Prof. Dr. Fred Wagner Dr. Guido Bader , Vorsitzender des Vorstands der Stuttgarter Versicherungsgruppe und stellvertretender Vorstandsvorsitzender der SDK Versicherungsgruppe . Im Mittelpunkt des Gesprächs stand die jüngst verabschiedete Altersvorsorgereform mit besonderem Fokus auf das neue Altersvorsorgedepot und dessen Auswirkungen auf die Lebensversicherungsbranche. Zu Beginn wurde die grundlegende Frage diskutiert, welche Rolle die gesetzliche Rente künftig noch einnehmen kann. Im Interview wurde deutlich, dass die gesetzliche Rentenversicherung aus Sicht der Branche langfristig vor erheblichen finanziellen Herausforderungen steht und künftig stärker als Basisabsicherung verstanden werden müsse. Vor diesem Hintergrund gewinne die ergänzende betriebliche und private Altersvorsorge weiter an Bedeutung. Ein weiterer Gesprächsschwerpunkt lag auf der betrieblichen Altersversorgung (bAV). Diskutiert wurden die bislang geringe Durchdringung insbesondere im Mittelstand sowie mögliche Lösungsansätze, um die bAV attraktiver und einfacher zugänglich zu machen. Dabei standen unter anderem Opt-out-Modelle, vereinfachte Durchführungswege sowie portable und leicht verständliche Produktlösungen im Fokus. Aus Sicht von Dr. Guido Bader wird insbesondere die Reduzierung von Komplexität entscheidend dafür sein, die betriebliche Altersvorsorge künftig breiter in der Praxis zu etablieren. Prof. Dr. Wagner und Dr. Bader kamen auch auf die geplante Reform der privaten Altersvorsorge zu sprechen, insbesondere das neue Altersvorsorgedepot einschließlich des vorgesehenen Standardprodukts. Mit der Reform rücken kapitalmarktorientierte Lösungen stärker in den Vordergrund. Gleichzeitig verlieren klassische Elemente der staatlich geförderten Altersvorsorge, wie lebenslange Rentenleistungen oder umfassende Garantien, an Bedeutung. Thematisiert wurden hierbei auch die Ausgestaltung und mögliche Auswirkungen des im Rahmen der Reform vorgesehenen Standardprodukts. Fragen zur praktischen Umsetzung, zur Rolle des Staates als Anbieter und Regulierer sowie zu möglichen Wettbewerbsverzerrungen standen im Mittelpunkt. Zugleich wurde deutlich gemacht, dass Versicherer weiterhin auf flexible Vorsorgelösungen mit unterschiedlichen Garantievarianten, umfangreicher Fondsauswahl und Wahlmöglichkeiten zwischen Auszahlungsplan und lebenslanger Rente setzen wollen. Dabei wurde die Frage aufgeworfen, ob die Abkehr von einer verpflichtenden lebenslangen Rentenzahlung sozialpolitisch sinnvoll ist. Kritisch betrachtet wurde vor allem die Möglichkeit, dass geförderte Vorsorgeprodukte künftig lediglich Auszahlungspläne bis zum 85. Lebensjahr vorsehen können. Es wurde betont, dass die Absicherung des Langlebigkeitsrisikos weiterhin eine zentrale Stärke der Versicherungswirtschaft darstellt. Zusätzlich wurde der zunehmende Wettbewerb zwischen Versicherern, Fondsanbietern und digitalen Neobrokern diskutiert. Während kostengünstige ETF Lösungen und digitale Plattformen insbesondere jüngere Zielgruppen ansprechen, wurde gleichzeitig hervorgehoben, dass ein großer Teil der Kund:innen weiterhin einen hohen Beratungsbedarf habe. Die Versicherungswirtschaft sieht ihre Stärken daher insbesondere in der persönlichen Beratung, der Flexibilität der Produkte sowie in der Kombination aus Kapitalmarktchancen und Absicherungsleistungen. Abschließend wurde auch die Rolle von Digitalisierung und Künstlicher Intelligenz in der Versicherungsbranche beleuchtet. KI-Anwendungen kommen bereits heute unter anderem bei Schrifterkennung, Sprachanalyse, Protokollierung und im Kundenservice zum Einsatz. Gleichzeitig wurde hervorgehoben, dass technologische Entwicklungen die persönliche Beratung künftig ergänzen, aber nicht vollständig ersetzen werden.
von Maik Entrich 31. März 2026
Markteintritte, Produktausbau und erste Risse im Wachstumsmodell: Im März zeigt sich, wie unterschiedlich sich InsurTechs im aktuellen Marktumfeld entwickeln. Das Start-up-Radar Update bündelt die wichtigsten Bewegungen für den Monat März. Cleos gewinnt INTER als Risikoträger Der digitale Assekuradeur Cleos hat im März sein Jagdversicherungsangebot ausgebaut und mit der INTER Versicherungsgruppe einen neuen Risikoträger gewonnen. Im Zuge dessen erweitert das Unternehmen seine Marke „Cleos Jagdwelt“ um eine digitale Jagd- und Sportwaffenversicherung und adressiert damit neben Jägern zunehmend auch Sportschützen. Die Produkte sind vollständig digital abschließbar und bieten sofortigen, weltweiten Versicherungsschutz, womit Cleos seine Position in spezialisierten Nischen weiter stärkt.  Onesurance startet in Deutschland Das niederländische KI-InsurTech Onesurance ist in den deutschen Markt gestartet und bietet eine datengetriebene Plattform zur Optimierung von Versicherungsprozessen. Im Fokus stehen KI-gestützte Lösungen für Vertrieb und Bestandsmanagement, mit denen Versicherer und Vermittler ihre Kundenansprache effizienter gestalten können. Mit dem Markteintritt in Deutschland zielt das Unternehmen darauf ab, seine Technologie in einem der größten europäischen Versicherungsmärkte zu etablieren und Kooperationen mit lokalen Partnern auszubauen. Stoïk ergänzt Cyberversicherung um Rechtsschutz Das InsurTech Stoïk hat seine Cyberversicherung um eine Rechtsschutzkomponente erweitert und baut damit sein Angebot aus. Die Lösung kombiniert Versicherungsschutz mit präventiven Cyber-Sicherheitsservices und deckt nun zusätzlich rechtliche Risiken im Zusammenhang mit Cybervorfällen ab. Für die Erweiterung arbeitet Stoïk mit der ROLAND Rechtsschutzversicherung zusammen. Damit reagiert das InsurTech auf die steigende Nachfrage nach ganzheitlichen Lösungen, die Prävention, Absicherung und rechtliche Unterstützung aus einer Hand bieten. wefox benötigt Notfinanzierung Das InsurTech wefox steht unter finanziellem Druck und benötigt eine kurzfristige Notfallfinanzierung in Höhe von 15 Mio. Euro. Hintergrund sind unter anderem anhaltend hohe Kosten sowie ein deutlich schwierigeres Finanzierungsumfeld, das bereits in den vergangenen Monaten zu strategischen Anpassungen geführt hat. Das Unternehmen arbeitet derzeit an Maßnahmen zur Stabilisierung seiner finanziellen Situation, während Investoren und Marktbeobachter die weitere Entwicklung aufmerksam verfolgen. Allianz investiert in KI-Telematik Die Allianz hat über Allianz X einen KI-Deal im Umfang von rund 350 Mio. US-Dollar abgeschlossen und stärkt damit gezielt ihr Telematikgeschäft im Kfz-Bereich. Im Zentrum steht der Einsatz von Künstlicher Intelligenz zur Echtzeit-Risikobewertung auf Basis von Fahrdaten, wodurch Risiken präziser eingeschätzt und Schäden idealerweise vermieden werden können. Ziel ist es, sich stärker vom klassischen Schadenzahler hin zum aktiven Risikomanager zu entwickeln, was die zunehmende Bedeutung datengetriebener und präventiver Geschäftsmodelle unterstreicht. Berlin Direkt kooperiert mit Wetterheld Die Berlin Direkt Versicherung, eine Tochtergesellschaft der HanseMerkur, fungiert ab sofort als Risikoträger für die Regenversicherung des InsurTechs Wetterheld . Die Lösung von Wetterheld ermöglicht es, wetterabhängige Risiken automatisiert abzusichern, wobei Auszahlungen auf Basis definierter Wetterdaten erfolgen. Die Regenversicherung wird sowohl von Wetterheld als auch von Berlin Direkt über diverse Vertriebskanäle angeboten. Im Fokus stehen touristische Unternehmen, insbesondere Reiseveranstalter
von Maik Entrich 27. Februar 2026
Was passiert, wenn KI nicht mehr nur berät, sondern Policen vermittelt? Warum München für Cyber-InsurTechs an Bedeutung gewinnt? Und welche Rolle europäische Investitionsstrukturen künftig spielen könnten? Genau diesen Fragen widmet sich das Start-up-Radar Update Februar. Stoïk verlegt deutschen Sitz nach München Der Cyber-Assekuradeur Stoïk eröffnet einen neuen Standort in München, um seine Aktivitäten in Deutschland weiter zu verstärken und die lokale Präsenz auszubauen. München gilt für Stoïk als strategisch wichtig, weil die Region eine starke Industrie, führende Forschungseinrichtungen und eine dynamische Tech-Szene vereint und gleichzeitig ein zentraler Knotenpunkt der Versicherungsbranche ist. Mit dem neuen Büro will das InsurTech die bisher vorwiegend remote organisierte Zusammenarbeit stärker in ein hybrides Arbeitsmodell überführen und sein Team vor Ort vergrößern. Cyberdirekt erweitert Produktangebot CyberDirekt , Anbieter einer digitalen Vertriebsplattform für Versicherungsmakler, erweitert sein Angebot. Ab sofort können auch mittelständische Unternehmen mit bis zu 250 Mio. Euro Jahresumsatz von den Leistungen profitieren. Bislang waren digitale Antragsprozesse und standardisierte Preise für Cyberversicherungen in der Regel nur für Unternehmen bis maximal 25 Mio. Euro möglich. Zudem wird der digitale Marktplatz um ein Angebot an IT-Sicherheitsleistungen ergänzt. Der digitale Marktplatz ermöglicht Vermittlern direkten Zugang zu Beratungs- und Präventionsangeboten für mehr Cyber-Sicherheit ihrer Kunden. Vectoryx bietet KI-gestütztes Schadenmanagement Das InsurTech Vectoryx aus Bösel bei Oldenburg bietet im GPT-Store des Chat GPT-Anbieters Open AI ein neues digitales Tool zum Schadenmanagement bei Gebäuden auf Basis Künstlicher Intelligenz an. Mit dem Tool sollen Eigentümer, Bewohner und Immobilienverwalter Gebäudeschäden über eine dialoggestützte Oberfläche erfassen und verwalten können. Die Lösung ermöglicht es bspw. Gebäudeschäden zu melden, Statusinformationen abzurufen oder auch fehlende Unterlagen nachzureichen – direkt innerhalb von ChatGPT. Allianz investiert in Start-up-Fonds der EU Der Versicherungskonzern Allianz wird Investor beim neuen Start-up-Fonds "Scaleup Europe" der EU-Kommission. Der Fonds soll insbesondere die Lücke in Europa bei großen Finanzierungsrunden über 100 Mio. Euro schließen. Bislang müssen Start-ups für solche Summen meist außerhalb der EU suchen. Die Allianz wäre damit der erste private Investor aus Deutschland in dem EU-Fonds. Ebenfalls prüft auch die Schwarz-Gruppe ihren Einstieg. Der Scaleup Europe-Fonds soll im zweiten Quartal 2026 seinen Betrieb aufnehmen. Das Geld soll in junge Tech-Unternehmen in der EU investiert werden, die in den Bereichen KI, Quantencomputing, Halbleiter, Robotik, Biotech, Medizin oder fortschrittliche Werkstoffe tätig sind. ChatGPT wird zum Versicherungsvermittler OpenAI hat erstmals Versicherungs-Apps in ChatGPT zugelassen. Zum Start sind zwei Anbieter dabei, der spanische Digitalversicherer Tuio mit Hausratversicherungen und die US-Vergleichsplattform Insurify für Kfz-Versicherungen. Erstmals können Nutzer so innerhalb der KI-Plattform personalisierte und bindende Versicherungsangebote erhalten und perspektivisch sogar direkt abschließen. Damit entwickelt sich ChatGPT vom Informations- zum Transaktionskanal für regulierte Finanzprodukte. Hierzulande gibt es so eine Integration bisher nicht. Ein Start in Deutschland ist bislang auch nicht angekündigt. Generali Core Tech geht an den Start Der italienische Versicherer Generali schaltet bei seiner digitalen Transformation einen Gang höher: Mit der Gründung von "Generali Core Tech" etabliert der Konzern eine interne Softwarefabrik, die als Kompetenzzentrum mit rund 150 Expert:innen fungieren soll. Sie wird von GenAI-gestützten Tools unterstützt und eng mit den lokalen Teams in den verschiedenen Geschäftsbereichen zusammenarbeiten. Generali Core Tech wird die Plattform von RGI nutzen, einem führenden Anbieter von Versicherungssoftware in Europa. Generali Core Tech wird sich auf die Verwaltung und Weiterentwicklung von „Insurance in a Box” konzentrieren, einer gemeinsamen Kernversicherungsplattform für Lebens- und Sachversicherungen.
von Juliane Bormann 3. Februar 2026
In der 45. Folge der Interviewreihe #fredwagner spricht Prof. Dr. Fred Wagner mit Dr. Christoph Samwer , Vorstand für Marketing und Vertrieb der HUK24 AG , über das Geschäftsmodell des größten Online-Direktversicherers Deutschlands und dessen Perspektiven in einem herausfordernden Marktumfeld. Im Zentrum des Gesprächs steht die Frage, wie sich die HUK24 als digitale Einheit innerhalb eines großen Versicherungskonzerns positioniert. Die HUK24 versteht sich dabei weiterhin als unternehmerisch agierendes Schnellboot und zugleich als digitaler Wachstumsmotor innerhalb der HUK-Coburg-Gruppe. Die Kombination aus starker Konzernmarke, hoher Automatisierung und konsequentem Self-Service-Ansatz bildet die Grundlage für eine dauerhaft führende Kosten- und Preisposition im Markt. Ein wesentlicher Erfolgsfaktor ist der vollständige Verzicht auf persönlichen Vertrieb und provisionsbasierte Vergleichsportale. Stattdessen setzt die HUK24 auf eigenständige, digital affine Kund:innengruppen, die Versicherungsprodukte selbst konfigurieren und verwalten. Standardisierte Produkte und vollständig digitalisierte Prozesse ermöglichen Skalierung bei gleichzeitig hoher Effizienz. Beratungsintensive oder komplexe Risiken werden bewusst nicht online angeboten und bei Bedarf an den Konzern weitergeleitet. Auch im Wettbewerbsumfeld verfolgt die HUK24 eine klare Strategie. Während vor allem große Vergleichsplattformen den Wettbewerb um Sichtbarkeit und Abschlussstärke prägen, erlauben die starke Marke und die Preisführerschaft der HUK24, unabhängig von diesen Plattformen zu wachsen und Provisionen direkt in günstigere Beiträge für Kund:innen zu übersetzen. Im Gespräch wird zudem der Einsatz von Künstlicher Intelligenz ausführlich thematisiert. KI wird sowohl zur Effizienzsteigerung in Service und Betrieb als auch zur Verbesserung der Kund:innenansprache genutzt. Gleichzeitig verändert sich das Such- und Entscheidungsverhalten von Kund:innen spürbar, etwa durch den zunehmenden Einsatz von Sprachmodellen. Darauf richtet die HUK24 ihre digitalen Vertriebs- und Serviceprozesse konsequent aus. Trotz der schwierigen Marktlage in der Kfz-Versicherung, insbesondere geprägt von anhaltender Schadeninflation, zeigt sich das Geschäftsmodell der HUK24 robust. Preisanpassungen waren notwendig, dennoch bleibt die Positionierung im Markt wettbewerbsfähig. Ergänzend gewinnt die Ausweitung der Produktpalette an Bedeutung, insbesondere in den Bereichen Hausrat, Haftpflicht und Wohngebäude. Abschließend wird deutlich, dass die HUK24 auch künftig auf nachhaltiges Wachstum setzt. Der Fokus liegt auf einer weiteren Diversifizierung des Produktangebots, dem gezielten Einsatz digitaler Technologien und der konsequenten Ausrichtung auf effiziente, kundenzentrierte Prozesse.
von Maik Entrich 30. Januar 2026
Große Finanzierungsrunden, neue strategische Partnerschaften und ein klarer Fokus auf KI, Cyber und Embedded Insurance prägen aktuell die Versicherungs- und InsurTech-Landschaft. Von Stoïks Expansion in Europa über neue Rückversicherungskapazitäten für Cyberrisiken bis hin zu KI-Deals, bKV-Offensiven und Investitionen in digitale Kfz-Modelle zeigt sich, wie dynamisch sich der Markt weiterentwickelt. Unser Überblick fasst die wichtigsten Deals, Kooperationen und strategischen Weichenstellungen kompakt für Sie zusammen. Stoïk sammelt 20 Mio. Euro ein Stoïk hat erfolgreich 20 Mio. Euro in einer Serie-C-Finanzierungsrunde eingesammelt, um sein Cyberversicherungs- und Cybersicherheitsangebot weiter auszubauen und die Expansion insbesondere in Zentral- und Südeuropa voranzutreiben. Die Kapitalspritze soll auch helfen, die Belegschaft innerhalb eines Jahres von rund 130 auf etwa 200 Mitarbeitende zu vergrößern und Fortschritte in KI-gestützten Lösungen für Prävention, Erkennung und Incident Response zu erzielen. Stoïk bietet ein integriertes 360°-Modell an, das Versicherungsschutz mit aktiver Prävention und eigenen Response-Teams kombiniert und bereits von mehr als 10.000 Unternehmen genutzt wird. Baobab gewinnt Scor als Risikoträger Der Cyber-Assekuradeur Baobab Insurance hat mit dem Lloyd’s-Syndikat des globalen Rückversicherers Scor einen weiteren starken Risikoträger gewonnen. Dadurch kann Baobab seine Zeichnungskapazitäten deutlich erhöhen und künftig auch größere Unternehmen mit bis zu einer Milliarde Euro Jahresumsatz in Deutschland und Österreich versichern. Die Partnerschaft mit Scor ergänzt Baobabs bestehende Lloyd’s-Kapazitäten und soll helfen, auch komplexere Risiken im industriellen Sektor abzudecken. Scor hebt dabei insbesondere die Kombination aus technologischer Expertise und datengetriebener Underwriting-Strategie von Baobab hervor. Helpcheck fokussiert sich auf Bußgeldbescheide Das Düsseldorfer Versicherungsrechts-Start-up Helpcheck hat sich aus dem Geschäft mit Lebensversicherungen zurückgezogen. Der Entschluss dazu fiel bereits Ende 2024, seit Juni 2025 nimmt das Unternehmen keine neuen Kunden in diesem Bereich mehr an. Die Abwicklung der alten Fälle wird aber noch einige Zeit in Anspruch nehmen. Künftig konzentriert sich Helpcheck stärker auf sein Kerngeschäft rund um Bußgeldbescheide und Verkehrsrecht-Services. Helpcheck wurde 2016 mit dem Fokus auf Lebensversicherungen gegründet. Allianz schließt KI-Deal mit Anthropic Die Allianz hat eine Partnerschaft mit dem KI-Spezialisten Anthropic geschlossen, die den Einsatz von Künstlicher Intelligenz im Versicherungsbetrieb weiter vorantreiben soll. Dabei sollen Anthropics KI-Modelle – darunter etwa auch das Entwicklungs-Tool „Claude Code“ – auf Allianz-Plattformen integriert und für Mitarbeiter weltweit verfügbar gemacht werden. Ziel der Zusammenarbeit ist es, interne Prozesse zu automatisieren, Arbeitsabläufe zu beschleunigen und gleichzeitig Transparenz, Sicherheit und regulatorische Compliance bei KI-Entscheidungen zu gewährleisten. VGH und Neodigital kooperieren in der bKV Die VGH und der Digitalversicherer Neodigital dringen gemeinsam in den wachsenden Markt für betriebliche Krankenversicherung (bKV) vor: Die VGH bringt mit technischer Unterstützung von Neodigital einen neuen Budget‑Tarif auf den Markt, mit dem sie erstmals in dieses Segment einsteigt. Vertragspartner und Risikoträger ist die zur VGH gehörende Provinzial Krankenversicherung. Neodigital liefert die digitale Infrastruktur, inklusive Bestands‑ und Leistungssystem, Kunden‑ und Vermittlerportal, Tarifrechner und digitaler Wallet‑Karte statt klassischer Gesundheitskarte. Allianz investiert in Kfz-Start-up Wrisk Die Allianz setzt auf digitale Autoversicherungslösungen und investiert im Rahmen einer Series-B-Finanzierungsrunde in das britische InsurTech Wrisk . Dabei erweitert der Versicherungsriese seine langjährige Partnerschaft mit der Embedded-Insurance-Plattform, die datenbasierte Policen direkt beim Autokauf anbietet. Wrisk kombiniert hierfür Versicherungs-, Telematik-, Finanz- und Verhaltensdaten in Echtzeit. Für die Allianz bedeutet das: direkter Zugang zu hochwertigen Fahrzeug- und Nutzungsdaten, bessere Risikoselektion, präzisere Preisgestaltung und eine stärkere Kundenbindung entlang der automobilen Wertschöpfungskette. Das frische Geld soll in die Expansion und den Ausbau der Daten- und Analysefähigkeiten von Wrisk fließen. DEVK erweitert Partnerschaft mit Herzenssache Die DEVK baut ihre Zusammenarbeit mit dem Assekuradeur Herzenssache aus und beteiligt sich mit 20 Prozent an dessen Zeichnungsgemeinschaft. Aus der bisherigen Kooperation wird damit eine strategische Partnerschaft mit langfristiger Ausrichtung. Ziel ist es, die wirtschaftliche Stabilität und Risikotragfähigkeit von Herzenssache zu stärken und gemeinsam im aufstrebendem Markt für hochwertige Liebhaberfahrzeuge weiter zu wachsen.
von Maik Entrich 30. November 2025
Expansion, Cloud-Migration, strategische Investments und KI-Innovationen prägen die aktuelle InsurTech- und Versicherungslandschaft. Von Baobabs Vorstoß in die Benelux-Region über neue SaaS-Partnerschaften bis hin zu frischem Kapital für Cyber-Player und mehrfach ausgezeichneten KI-Lösungen zeigt sich, wie stark Technologie und internationale Skalierung die Branche derzeit antreiben. Welche Kooperationen, Produkte und Investitionen besonders relevant sind, haben wir im aktuellen Update für Sie zusammengefasst. Baobab startet Benelux-Expansion Der Cyber-Assekuradeur Baobab hat im November damit begonnen, sein Geschäft in die Benelux-Region auszuweiten. Das InsurTech ist zunächst in den Niederlanden und in Luxemburg gestartet, für Belgien gibt es noch keinen Zeitplan. Baobab hat dafür Tim van Lier als General Manager mit an Bord geholt, der zuletzt im Bereich Cyber- und Technologierisiken bei Aon tätig war. Baobab erhofft sich große Wachstumschancen in der Region und ist nach eigenen Angaben mit seinem Expansionskurs in Europa noch nicht am Ende Emil und Zurich-Tochter Orion kooperieren Der Schweizer Rechtsschutzversicherer Orion modernisiert seine gesamte IT, indem er seinen Bestand auf die cloudbasierte Software-as-a-Service-Lösung der Emil Group migriert. Die Kooperation ermöglicht Orion eine effizientere und stärker automatisierte Verwaltung seiner Versicherungsprozesse. Durch die SaaS-Lösung von Emil kann der Rechtsschutzversicherer Produkte schneller entwickeln, Prozesse verschlanken sowie kundenorientierter arbeiten. Die neuen Partnerschaft kommt dabei nur wenige Monate, nachdem Emil in der Schweiz eine eigene Tochtergesellschaft gegründet hat. Perseus gewinnt Signal Iduna als Investor Das InsurTech Perseus hat die Signal Iduna als strategischen Investor gewonnen. Beide Unternehmen verbindet bereits eine langjährige Kooperation: Seit 2018 erweitert der Versicherer seine Cyberpolicen mit den Präventionslösungen und der Notfallhilfe von Perseus. Mit dem Einstieg der Signal Iduna bei dem 2017 gegründeten Anbieter von Cybersicherheitslösungen Perseus sollen nun die Weichen für eine noch engere Partnerschaft gestellt werden. Ziel ist, Synergien zu nutzen und gemeinsam Lösungen zum Schutz von Firmen vor digitalen Risiken weiterzuentwickeln. Baloise mit Award ausgezeichnet Die Baloise hat für das Projekt "AI Concierge" kürzlich den 1. Preis im Rahmen des Swiss Insurance Innovation Awards erhalten. Mit dem "AI Concierge" hat die Baloise eine KI-Lösung für den Versicherungsvertrieb entwicklet, die Fremdverträge in Echtzeit analysiert und automatisch eine individuell passende Gegenofferte erstellt, die direkt abgeschlossen werden kann. Dadurch sparen Finanzpartner:innen wertvolle Zeit und bieten ihren Kund:innen während des Gesprächs eine marktgerechte, personalisierte Police. Der "AI Concierge" ist derzeit im Bereich Motorfahrzeugversicherung im Einsatz und wird in naher Zukunft auch auf andere Produkte ausgeweitet. Vitality und Google starten KI-Projekt Die Versicherungsgruppe Discovery mit ihrem Gesundheitsprogramm Vitality und der Technologie-Riese Google haben eine neue globale Partnerschaft zur Einführung von "Vitality AI" bekanntgegeben. Die neue Plattform kombiniert die fortschrittlichen KI- und Datenanalysefähigkeiten von Google Cloud mit den umfangreichen Gesundheitsdaten von Vitality. Die Kund:innen erhalten dadurch maßgeschneiderte Empfehlungen, die auf ihren Gesundheitszustand, Lebensstil und zentrale Risikofaktoren zugeschnitten sind. Die Vorschläge umfassen dabei u.a. Bewegung, Schlaf, Vorsorgeuntersuchungen und persönliche Gesundheitsberatung. Aon launcht KI-Schaden-Copilot Der Versicherungsmakler Aon unterstützt das Schadenmanagement seiner Kunden mit einer neuen digitalen, KI-basierten Plattform. Versicherungsnehmer:innen können über die Plattform den Fortschritt der Schadenbearbeitung verfolgen sowie Auswertungen und Analysen abfragen. Die Experten von Aon wiederum erhalten Zugang zu digitalen Tools, mit denen sie die Kunden noch besser unterstützen können. Die Anwendung namens "Aon Claims Copilot" ist im November in Deutschland gestartet und soll bis 2027 in allen rund 50 Ländern ausgerollt werden, in denen Aon tätig ist.
von Juliane Bormann 21. November 2025
Die GGW Group hat sich in den vergangenen Jahren zu einem der bedeutendsten Akteure im europäischen Makler- und Assekuradeurmarkt entwickelt. Das Unternehmen, das 2020 gegründet wurde, verfolgt seit Beginn das Ziel, mittelständische Maklerhäuser zu stärken, ihre unternehmerische Identität zu bewahren und zugleich gemeinsam die notwendige Größe für ein anspruchsvoller gewordenes Marktumfeld zu erreichen. Dr. Tobias Warweg , Geschäftsführer der GGW Group GmbH, skizzierte im Gespräch mit Prof. Dr. Fred Wagner die wesentlichen Treiber dieser Entwicklung. Seine persönliche berufliche Laufbahn, die vom juristischen Studium in Köln und Wien über Stationen im Exklusiv- und Maklervertrieb bis hin zur Vorstandsverantwortung bei der HDI Vertriebs AG führte, legte den Grundstein für seine heutige Expertise im Vermittlermarkt. Die intensive Zusammenarbeit mit mittelständischen Maklerhäusern habe ihn früh mit den strukturellen Herausforderungen dieses Marktes vertraut gemacht. Dazu zählen ein zunehmender Nachfolgebedarf, steigende regulatorische und technologische Anforderungen sowie der Wunsch, die eigene unternehmerische Kultur zu bewahren. Mittelständische Antwort auf internationale Marktveränderungen Dr. Warweg erläuterte, dass die Idee zur Gründung der GGW Group aus Gesprächen mit regional verankerten Maklerhäusern entstand, die sich langfristig nicht mehr ausreichend gegenüber wachsenden internationalen Großmaklern positionieren konnten. Die entscheidenden Fragen betrafen Größe, Schlagkraft und technologische Ausstattung, die erforderlich sind, um im Industrie- und Gewerbekundengeschäft dauerhaft bestehen zu können. Die GGW Group bot diesen Unternehmen eine Perspektive, die auf gemeinsamer Entwicklung, erweiterter Kundennähe und unternehmerischer Beteiligung beruht. Unternehmensgröße als Grundlage, nicht als Ziel In den vergangenen Jahren hat die GGW Group die Schwellenwerte erreicht, die eine relevante Position gegenüber Versicherern und im Wettbewerb sichern. Mit einem Gesamtumsatz von mehr als fünfhundert Millionen Euro verfügt die Gruppe über ausreichende Marktkraft, um sowohl technologisch als auch verhandlungstechnisch effizient zu agieren. Statistische Platzierungen spielen für die Unternehmensführung jedoch keine Rolle. Wichtiger sind stabile Kund:innenbeziehungen, geringe Abwanderungsquoten und eine nachhaltige Entwicklung der Gruppe. Starke Positionierung im europäischen Markt Die Gruppe ist heute in vierzehn europäischen Ländern präsent. Die ersten Auslandsaktivitäten ergaben sich durch Empfehlungen sowie Makler:innen, die über Produktionsstandorte in anderen Ländern verfügten. In der Folge entwickelte das Unternehmen eine klare Europastrategie. Die Erweiterung auf weitere Kontinente ist aktuell nicht geplant. Eine Ausnahme bildet eine Niederlassung in London, die aus Kapazitätsgründen besteht, ohne eine Expansion im Vereinigten Königreich zu verfolgen. Kombination aus Makler und Assekuradeur als strategischer Vorteil Die Integration von Assekuradeuren ist ein zentraler Baustein der Unternehmensstrategie. Die wecoja Underwriting Plattform wurde entwickelt, um Kapazitäten zu bündeln, Risiken zu übernehmen und den Marktbedarf aufzugreifen, der durch den Personal und Serviceabbau vieler Versicherer entstanden ist. Die rechtliche Trennung zwischen Maklergeschäft und Assekuradeur bleibt dabei strikt gewahrt. Die Unternehmensstruktur basiert auf zwei klar getrennten Marken: Leading Brokers United für das Maklergeschäft und wecoja für das Underwriting. Beide Marken unterstützen den Markt, agieren aber unabhängig voneinander. Technologie, Skaleneffekte und Automatisierung Zentrale Technologieplattformen gelten als wesentliche Effizienztreiber innerhalb der GGW Group. Während die wecoja eine eigene IT-Architektur nutzt, setzt das Maklersegment auf zwei bis drei etablierte Maklerverwaltungsprogramme, die den unterschiedlichen Anforderungen von Industrie und Gewerbekunden entsprechen. Die Bündelung von Daten, Prozessen und Know how führt zu höherer Geschwindigkeit, größerer Stabilität und spürbaren Vorteilen für die Endkunden. Automatisierung ermöglicht verbesserte Service Levels, geringere Fehleranfälligkeit und schnellere Reaktionszeiten. Hier das vollständige Interview:
von Maik Entrich 13. November 2025
Einmalbeitragsgeschäft lässt Prämieneinahmen der Lebensversicherer steigen Die Lebensversicherung konnte sich 2024 von den schwierigen Zeiten der vergangenen Jahre erholen. Insbesondere das Einmalbeitragsgeschäft hat sich dabei als Wachstumstreiber erwiesen: Im Geschäft mit Einmalbeiträgen verzeichneten die 50 größten Lebensversicherer einen deutlichen Zuwachs von 336,54 Mio. Euro auf 354,83 Mio. Euro. Insgesamt stiegen die gebuchten Prämien im Vergleich zum Vorjahr um 4,7 Prozent auf nun durchschnittlich 1.682,89 Mio. Euro. Gleichwohl erhöhten sich aber auch die Aufwendungen für Versicherungsleistungen auf 1.652,28 Mio. Euro. Im Durchschnitt erwirtschafteten die 50 größten Lebensversicherer im Geschäftsjahr 2024 ein versicherungstechnisches Ergebnis in Höhe von 62,10 Mio. Euro. Im Vergleich zum Vorjahr ein Zuwachs von 8,2 Prozent. Positiv hervorzuheben sind zudem die erneut niedrigen Stornoquoten bei den Lebensversicherern. Private Krankenversicherung auch 2024 mit stabilem Wachstum Die Private Krankenversicherung hat sich auch 2024 als stabile Säule der Versicherungswirtschaft bewährt: In Summe konnten die 25 größten Krankenversicherer einen Prämienzuwachs von 4,4 Prozent auf nun durchschnittlich 1.966,24 Mio. Euro erwirtschaften. Zurückführen lässt sich diese Entwicklung – neben den Beitragsanpassungen in der Krankenvollversicherung – insbesondere auf die weiterhin hohe Nachfrage an Zusatzversicherungen. Die Aufwendungen für abgewickelte Versicherungsfälle stiegen gegenüber dem Vorjahr spürbar an: Lagen die Leistungszahlungen 2023 durchschnittlich noch bei 1.545,31 Mio. Euro, betrugen diese im Geschäftsjahr 2024 1.641,57 Mio. Euro. Mit durchschnittlich 138,47 Mio. Euro fiel das Ergebnis des Versicherungsgeschäfts der 25 untersuchten Krankenversicherer etwas geringer aus als im Vorjahr (2023: 163,66 Mio. Euro). Die laufende Durchschnittsverzinsung und die Nettoverzinsung haben sich zudem leicht erhöht.
von Juliane Bormann 12. November 2025
Die Concordia Versicherung und die V.E.R.S. Leipzig GmbH haben gemeinsam ein Pilotprojekt zur Nachhaltigkeitszertifizierung von Versicherungsagenturen erfolgreich abgeschlossen. Damit wurde ein neuer, praxisnaher Standard für nachhaltiges Handeln im Versicherungsvertrieb etabliert. Am 2. Oktober 2025 wurden in Hannover die ersten Zertifikate feierlich durch Prof. Dr. Fred Wagner, Professor und Vorstand am Institut für Versicherungswissenschaften der Universität Leipzig, an die teilnehmenden Concordia Agenturen überreicht. Für die Concordia bedeutet füreinander einstehen mehr als nur Hilfe im Ernstfall: Es heißt, aktiv an einer positiven Zukunft mitzuwirken. Nachhaltigkeit als festen Bestandteil in den Arbeits- und Entscheidungsprozessen der Agenturen zu verankern, war zentrales Anliegen des Projekts. Das entwickelte Zertifizierungsprogramm überzeugt durch seine einfache Integration in den Agenturalltag – ohne zusätzliche Bürokratie – und erfüllt gleichzeitig wissenschaftliche Anforderungen. „Mit der Zertifizierung möchten wir ein klares Signal setzen: Nachhaltigkeit ist kein Trend, sondern eine Zukunftsaufgabe, die wir aktiv gestalten“, betont Julia Palte, Vertriebsvorständin bei der Concordia Versicherung. Auch Prof. Dr. Fred Wagner zeigt sich zufrieden: „Wir freuen uns, gemeinsam mit der Concordia einen praxisnahen und wirksamen Ansatz entwickelt zu haben, der Nachhaltigkeit in der Versicherungsvermittlung konkret und messbar macht.“ Die zertifizierten Agenturen ziehen ein positives Fazit: „Die Zertifizierung für nachhaltigen Agenturbetrieb war für uns ein wertvoller Schritt in Richtung Zukunft. Der strukturierte Prozess hat uns praxisnahe Impulse gegeben, wie wir ökologische und soziale Verantwortung im Alltag leben können“ berichtet Agenturinhaber Ben Ewald. „Neben bekannten Aspekten wie Umweltpapier, Elektrofahrzeugen, Energiesparlampen und Abfallmanagement hat mich insbesondere der Themenblock „Customer“ überzeugt. Hierzu zählen unter anderem Kundenzufriedenheit, Dauer der Kundenbindung und Kundenloyalität in meiner Agentur“, ergänzt Agenturinhaber Thorsten May. Im weiteren Verlauf erhalten alle teilnehmenden Agenturen individuelle Handlungsempfehlungen, die auf ihren spezifischen Ergebnissen basieren und gezielt zur Weiterentwicklung ihrer Nachhaltigkeitsaktivitäten beitragen.